Konzerte

Tarja
Hollow Haze

25.Oktober bis 25.Oktober 2013

Tarja – Festhalle Durlach
25.10.2013

Im Rahmen ihrer „Colours in the Dark“-Tour konnte man die finnische Sängerin Tarja Turunen (als ehemalige Frontfrau der Band „Nightwish“ wohl noch in guter Erinnerung) in der Festhalle Durlach genießen.


Im Vergleich zu den restlichen Tourorten, etwa dem Huxleys oder dem Backstage in München, wirkte die Wahl der Festhalle zumindest ungewöhnlich. Letztlich blieb aber festzustellen, dass das hohe Gewölbe akustisch auch mit größeren Locations mithalten kann – unnötig zu erwähnen, dass Tarja keine Probleme damit hatte, die Halle angemessen zu beschallen.
Wie es sich für so ein Event gehört, bildete sich schon vorab eine deutliche Schlange.Bereits vor dem offiziellen Einlass um 19.00 Uhr hatten sich die hartgesottene Fraktion einen Platz vor der Bühne reserviert und bald schon wurde es recht kuschelig. Kein Wunder, denn die Tickets dürften restlos ausverkauft gewesen sein. Publikumstechnisch bot sich eine bunte Mischung. Zwar herrschte großteils schwarz vor und den einen oder die andere konnte man bereits auf den ersten Blick der Metal- oder Gotenfraktion zuordnen. Doch auch Papis und Mamis und die ein oder anderen Großeltern waren vertreten und brachten vom Holzfällerhemd bis zur operntauglichen Abendgarderobe Farbe ins Spiel.


Bei stetig steigenden Temperaturen begann dann auch das musikalische Einheizen. Dafür zeigten sich die Italiener „Hollow Haze“ verantwortlich, die das Publikum mit klassischem Heavy Metal aufpeitschten. Eine knappe halbe Stunde durften sich die Jungs austoben, ehe zum Abschluss mit „No rest for the angels“ eine recht passende Überleitung gefunden wurde. Musikalisch eine ordentliche Leistung, an der man nicht mäkeln kann. Manch einer mag sich vielleicht über das Genre wundern, das dann doch eigene Akzente setzte und nur einige Überschneidungspunkte mit Tarja aufwartet. Das allerdings erscheint vor der Wirkung der Jungs aber nebensächlich, denn ihren Job haben sie gemacht.


Nach einer kurzen Umbauphase (zur Freude des Publikums und zum Leidwesen der anwesenden Fotografen wurde etwa die Lightshow noch ordentlich gepimpt und auch der obligatorische Vorhang durfte nicht fehlen) ging es dann fulminant los. Mit „In for a Kill“ fuhr Tarja schon zum Auftakt schwere Geschütze auf: ein dramatisches Intro und der furiose Gitarrenauftakt sollten allen klar machen, dass hier nicht nur eine klassische Stimme, sondern auch ordentlich Metal geboten werden würde. Gleich zu Beginn zeigte Tarja dabei auch ihr Händchen für den Stimmungsaufbau. Da wurde aufgeputscht, gelobt und gefordert – und ein begeistertes Publikum ließ sich nicht lange bitten. Zugegeben: ein wenig skeptisch war ich anfangs ja schon. Hatte man doch schon allerhand über die Sängerin gehört, gern auch in Verbindung mit der wenig schmeichelhaften Bezeichnng „Diva“. Davon war hier allerdings (glücklicherweise) überhaupt nichts zu merken. Die Finnin versprühte gute Laune und auch wenn man gemeinhin vorsichtig mit den Aussagen von Künstlern über die Spielorte sein muss (manche Barden haben praktisch die gesamte Tournee jeweils vor dem „geilsten Publikum der ganzen Tour“ gespielt), so war man doch geneigt Tarja zu glauben, wenn sie Karlsruhe noch als Heimat bezeichnete. Immerhin verbindet sie mit der Stadt ja tatsächlich einen Teil ihrer Ausbildung.
Inhaltlich bot sich ein durchaus gelungener Querschnitt. Den Löwenanteil bestritten die tourtitelgebende Scheibe „Colours in the Dark“ („500 Letters“, „Until Silence“ , „Mystique Voyage“, „Neverlight“, „Medusa“) und die 2010 erschienene „What lies beneath“ („In for a kill“, „Falling awake“, „Anteroom of death“, „Until my last breath“). Aufgelockert wurde das ganze durch einige ältere Songs aus dem Dunstkreis von „My Winter Storm“ (2007) und nicht zuletzt „I walk alone“ - ein Lied, das man nicht von ungefähr mit dem Beginn von Tarjas Solokarriere verbinden kann (auch wenn darüber wohl einige Haare gespalten werden).


Den einen oder anderen Klassiker hätte man sich vielleicht noch wünschen können, Solomaterial dafür wäre beileibe genug da. Umso mehr überrascht (und erfreut) es, dass Tarja sich einen kleinen Abstecher in alte Zeiten nicht nehmen ließ und mit „Phantom of the Opera“ einen praktisch uralten (das „Century Child“-Album hat mittlerweile sage und schreibe 11 Jahre auf dem Buckel) Nightwish-Klassiker zum Besten gab. Freilich nicht mit der Begleitung von Marco Hietala, doch auch „Hollow Haze“-Fronter Fabio Lione (auch bei Rhapsody of Fire tätig...) bot eine gute Figur auf der Bühne – nicht nur gesanglich harmonierten die beiden, sie hatten auch sichtlich Spaß an der Sache.
Damit ist man dann schon bei der Zugabe, denn um 22.10 Uhr hatte man ja bereits die Bühne geräumt – um vom Publikum erwartungsgemäß zurückgerufen zu werden. Die Zugabe blieb mit 3 Songs im erwarteten Rahmen. Neben dem Phantom der Oper überraschte dabei die Auswahl des aktuellen „Victim of Ritual“, das die Stimmung nochmal auf einen neuen Höhepunkt katapultierte.
Doch alles hat ein Ende und mit den bittersüßen Klängen von „Until my last breath“ fand der Abend seinen verdienten Abschluss.

Insgesamt eine grandiose Darbietung. Wer bislang noch nicht in den Genuß gekommen ist, sollte Augen und Ohren offen halten, denn es ist wohl nicht das letzte Mal, dass es Tarja in ihre einstige Wahlheimat verschlägt. Ein Lob an dieser Stelle auch an die Veranstalter und die Security, die gleichermaßen kompetent und kulant agierten, so dass es z. B. für die Fotografen letztendlich doch den ganzen Graben gab statt der angekündigten Ecke (Schockmoment!).Die damit verbundene Kraxelei haben wir letztlich gern in Kauf genommen.

Die Stimmgabel zum Gruße

KoJe






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