Konzerte

Whitesnake
Bonfire

30.Mai 2003

Obwohl David Coverdale bereits im Jahre 1997 bei der „Restless Heart Tour“ das Ende der Whitesnake-Ära bekannt gab, gibt es ein freudiges Wiedersehen. Anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums und des gerade veröffentlichten „Greatest Hits Albums“, macht die „Weiße Schlange“ einen kleinen Abstecher ins gute alte Europa. Während man jenseits des Atlantiks zusammen mit den Scorpions und Dokken vor durchschnittlich 10.000 Fans und größtenteils ausverkauften Hallen aufspielen durfte, musste man hier mit kleineren Hallen vorlieb nehmen, die dann aber doch größtenteils beachtlich gefüllt waren. Immerhin liegt das letzte reguläre Studioalbum auch schon seit sieben Jahren in den Regalen der CD-Händler. Von der letzten Besetzung ist neben David Coverdale lediglich Tommy Aldrige (dr) übrig geblieben, was jedoch mit adäquaten Ersatz in Form von Reb Beach (g / Ex-Dokken, Winger, Alice Cooper), Doug Aldrich (g / Ex-Dio, Lion, Burning Rain), Marco Mendoza (b / Ex-Ted Nuggent, Thin Lizzy) und Timothy Drury (key / Ex-Eagles, Don Henly) gelöst wurde. Meines Erachtens ein viel versprechendes Line-Up.

Den Abend eröffnen Bonfire aus Ingolstadt die kurzfristig als Support verpflichtet wurden und ihre Freude über dieses Engagement nicht verbergen können. Sänger Claus Lessmann und Gitarrist Hans Ziller sind auch schon seit über zwanzig Jahren im Geschäft und haben mit Veröffentlichungen wie „Don’t Touch The Light“ oder „Fire Works“ ein Stück deutsche Musikgeschichte geschrieben. Eigentlich hatte man einen Besuch der Show in München geplant, ehe der Anruf des Managements von Whitesnake die Bajuwaren ereilte. Mit einem blendend aufgelegten Claus Lessmann und einer frischen Performance brennen die Ingolstädter ein Freudenfeuer in Form von ‚Hot To Rock’, ‚Sweet Obsession’ und ‚Bang Down The Door’ ab. Der erst vor kurzem aus familiären Gründen ausgestiegene Gitarrist Chris Lausmann wurde kurzerhand durch Keyboarder Strecky ersetzt. Schade nur, dass es immer noch einer Erklärung des Stückes ‚Proud Of My Country’ bedarf, da es anscheinend immer noch einige Leute gibt, die den Text falsch interpretieren. Mit ‚Until The Last Goodbye’ verabschieden sich Bonfire und übergeben gut aufgewärmtes Publikum.

Nach einer kurzen Umbaupause und einem Erfrischungstrunk eröffnen Whitesnake mit ‚Bad Boys’ den Abend. Mainman David Coverdale muss in einen Jungbrunnen gefallen sein! In bester körperlicher und stimmlicher Verfassung powert der 50-jährige die Fans an. Kein Vergleich zum letzten Auftritt vor sieben Jahren an gleichem Ort und Stelle, wo dieser noch sehr angeschlagen und ausgelaugt wirkte. Überhaupt strotzen alle Akteure vor Spielfreude und rocken in bester Manier. Das Publikum ist von Anbeginn voll dabei und feiert Meilensteine wie ‚Slide It In’ und ‚Love Ain’t No Stranger’ ab, ehe es mit dem ersten ruhigen Stück ‚Is This Love’ ein wenig Zeit zum verschnaufen gibt. Wow, das hätte ich trotz aller Vorfreude nicht erwartet. Ein kurzweiliges Gitarrensolo (Doug’s Blues) und ein kraftvolles und abwechslungsreiches Drumsolo von Tommy Aldrige - eingefügt in ‚Crying In The Rain’ - folgen. Aber auch Bassist Marco Mendoza wirkt beeindruckend. Breitbeinig bearbeitet er seinen Bass und zieht zahlreiche Blicke auf sich. Noch immer läuft es mir bei ‚Ain’t No Love (In The Heart Of The City)’ eiskalt den Rücken herunter, wenn die ganze Halle den Refrain mitsingt. Jetzt werden wieder Erinnerungen wach an den Auftritt beim Super Rock Festival im Jahre 1989 in Mannheim, wo ca. 50.000 Leute bei strömenden Regen minutenlang den Refrain wiederholten. Sichtlich beeindruckt lässt sich David Coverdale abfeiern. Das Finale läuten ‚Fool For Your Loving’, ,Give Me All Your Love’ und ,Here I Go Again’ ein. Ehe mit ,Still Of The Night’ der Abend zu Ende geht. Die Setliste enthielt nahezu alle Hits der Bandgeschichte, die insgesamt mit nur 12 Songs allerdings etwas mager ausfällt. Ein paar Stücke mehr in Form von ‚Guilty Of Love’, ‚The Deeper The Love’ oder ‚Restless Heart’ hätten es schon sein dürfen. Trotz der kurzen Spielzeit eines der besten Konzerte der letzten Jahre!

Frank Hameister 






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