Stories

Juli 2003

Die Herren aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben mit ihrem Album "Crest Of The Martyrs" eine starke Scheibe hingelegt, mit der sie den Sprung aus dem Underground endgültig schaffen wollen. Gitarrist Scott beantwortete mir ein paar Fragen zum neuen Album, den anstehenden Festivals und Metal in den USA...

Kannst du unseren Lesern kurz euren Werdegang schildern, wie und wann ihr zusammen gefunden habt?

Die Band wurde in den frühen 90ern gegründet. Wir haben damals unsere ersten Demos rausgebracht und den Underground mit unserer „Anti-Bullshit-Propaganda“ bombardiert. 1999 haben wir unser erstes Full Lenght Album The Curse Of Twisted Tower“ aufgenommen, dem 2001 „The Isle Of Hydra“ folgte, beide wurden unter dem Miskatonic Foundation Label veröffentlicht. 2002 haben wir einen Vertrag mit Remedy Records über 5 Alben abgeschlossen, unser aktuelles Album „Crest Of The Martyrs“ ist im Mai diesen Jahres erschienen. Mit am Start sind unser Sänger Tony Taylor (beeinflusst von Dickinson, Halford, und Jägermeister), Dave Boyd (g), der viel Maiden Death Angel, Forbidden, sämtlichen 80er Trash hört und Spiderman klasse findet. Unser Drummer Marc Stauffer steht auf Voivod, Slayer Maiden und jede Art von Alkohol, die dem Menschen bekannt ist. Jim Hunter’s Vorlieben sind für mich schwer nachzuvollziehen (er beschäftigt sich mit modernem Pop Kleinkram) und zu guter letzt meine Wenigkeit (g). Meine Einflüsse sind Maiden, Mercyful Fate, NWOBHM, Ted Nugent, B.O.C., 70’s-80’s Rock und jede Menge Bier!

Obwohl es euch schon seit 1994 gibt, habt ihr erst jetzt einen Plattenvertrag bekommen. Ist es für eine US Band schwieriger, einen Deal zu bekommen als z. B. für eine schwedische?

Unseren ersten Vertrag haben wir 98 bekommen, aber das ist eine andere Geschichte. Die klassische Metal Szene lebt natürlich in Europa viel stärker auf als in Amerika. Es bedeutet sehr viel Arbeit und Verantwortung für ein kleines europäisches Label, eine Band unter Vertrag zu nehmen, die 3000 Meilen über den Atlantik hinweg entfernt lebt. Die amerikanischen Labels sind meistens schon belegt und orientieren sich an Gothic, bremsenden Death Metal, gefaktem Black Metal oder was auch immer auch gerade angesagt ist. Man kann schon sagen, dass es ein stetiger Kampf war, bis wir uns in der internationalen Szene gefestigt haben.

Ich habe ein Interview mit eurem Sänger Tony gelesen, in dem über euer letztes Album „The Isle Of Hydra“ gesagt hat: Das ist das wahre Twisted Tower Dire Album. Was ist denn nun „Crest Of The Martyrs“?

Ha ha, dass ist der Fake, ganz klar. Nein, ernsthaft. Tony wollte damit sagen, dass das erste Album hauptsächlich ohne seinen und Dave’s Input geschrieben wurde. Er hat lediglich die Lyrics geschrieben und Dave hat ein paar Soli dazugesteuert. Das erste Album stammte hauptsächlich von Marc, Jim und mir, wir haben die Riffs dazu geschrieben. Für „The Isle Of Hydra“ haben wir uns alle zusammen gesetzt und auch darauf geachtet, die Musik im Hinblick auf anspruchsvollere Vocals zu schreiben. Bei „Crest Of The Martyrs“ begann dieser Prozess bereits viel früher, hier haben wir die Musik sogar den Vocals noch angepasst. Einige werden es mögen, andere wiederum nicht. Aber wir wollten eine gewisse Dynamik haben, deswegen auch die Neugestaltung unseres Sounds.

Habt ihr einen gewissen Druck verspürt, mit neuem Label ein besonders gutes Album machen zu müssen?

Es war schon etwas eigenartig. Wir wollten niemals berechenbar werden. Wenn wir ein weiteres Album wie „The Isle Of Hydra“ geschrieben hätten, hätten unsere Fans wahrscheinlich von einer kreativen Talzone gesprochen und die Kritiker hätten die Produktion als Underground Syndrom abgestempelt. Deswegen wollten wir eine bessere Produktion und simplere Songs, damit es auch Spaß macht, zuzuhören. Wir wollten etwas Lautes machen, dass dir auch gefällt, wenn du komplett besoffen bist. Wir wollten kein Album, auf dem jedes Stück 7 Minuten dauert und in das sich der Hörer erst hineinarbeiten muss. Es sollte einfach natürlich sein und wir denken auch nicht viel darüber nach, was gewisse Leute davon halten. Wir wollen einfach gute Songs schreiben und niemanden zeigen, wie toll oder wie kultig wir sind, wie schnell wir spielen können und das ganze bla bla. Wir trinken ein paar Bier und hämmern einige gute Melodien raus für jeden, der es hören will.

Das Album hat sehr viele Einflüssen von Maiden, Priest und Running Wild. Sind das Bands, an denen ihr euch orientiert?

Ja, diese 3 Bands haben definitiv einen sehr großen Einfluss auf unseren Sound. Dennoch haben wir ein weites Spektrum an Einflüssen wie Mercyful Fate, Uriah Heep, Pink Floyd, Dio, Vio-Lence, Immortal, Motley Crue, BOC, Grim Reaper, Angel Witch, Slayer, Deep Purple usw. Wir sind in unseren musikalischen Faves ziemlich wählerisch. Die Band besteht aus starken Charakteren, die ihre Meinung auch vertreten. Das macht es auch einfacher, unseren einzigartigen Sound zu beschreiben ha ha. Ich muss mich ja nicht lächerlich machen, ich weiß, dass wir genau wie Maiden klingen ha ha.

,To Be A Champion’ klingt stark nach Hammerfall. Absicht?

Dieser Song ist für mich purer 80er Metal. Ein Mix zwischen Maiden, Warlord, Accept und vielleicht noch Motorhead. Ich habe niemals an Hammerfall gedacht, als wir dieses Stück geschrieben haben. Ich denke, diese Vergleiche sind immer subjektiv, jeder Hörer bewertet das anders. Wenn Hammerfall der einzige Gradmesser für den Metal Sound der 80er sind, wäre das eine Schande. Ich denke, da würden mir Hammerfall auch zustimmen. Anscheinend ist es populär geworden, mit Hammerfall verglichen zu werden. Fuck, vielleicht klingen wir so wie sie. Ich werd mich gleich umbringen.

Wie wichtig sind euch die Lyrics in euren Songs?

Die sind sehr wichtig. Als wir angefangen haben, waren unsere Lyrics einfach nur Nonsens wie bei vielen Led Zeppelin Songs auch. Man hat einfach Wörter zusammen gewürfelt, die sich cool angehört und ein abstrakte Story gespannt haben. Wie als ob man unter Drogen stand ha ha. Jetzt schreibt Tony die meisten unserer Texte und es ist ihm wichtig, dass sie auch etwas aussagen. Die meisten seiner Texte haben etwas mit seiner bewegten Vergangenheit zu tun und den Zorn, den er mit sich trägt. Es geht darum, wie man mit Menschen in unserer beschissenen Zeit umgeht. Die Lyrics haben für ihn eine Doppelbedeutung, nicht nur eine leere literarische.

Hast du einen Lieblinsgsong auf dem Album und welches Stück hat euch am meisten Arbeit abverlangt?

Meine Faves sind ,By My Hand’ und ,Guardian Bloodline’ weil sie einfach sehr gut rüberkamen, als wir sie aufgenommen haben, ich liebe sie wirklich. ,Reflecting Pool’ ist so ein Stück, dass einige Schmerzen im Hintern verursacht hat, weil es so lang ist. Ich denke, dass wir uns mit solchen Sachen stärker beschäftigt haben, obwohl sie auf dem Album eher die Ausnahme darstellen. Es war schon schwierig für uns, kurze Songs zu schreiben, weil wir es gewohnt sind, 7 Minuten Epochen zu schreiben. Wir mussten wirklich nachdenken: Hmmm, was würde Grim Reaper tun? Ha ha.

Wie populär ist Metal in den USA, wie bekannt seid ihr dort?

Es ist OK. Wir als amerikanische Metalheads (nicht ich, aber jeder andere) scheinen immer den Trends der europäischen Metal Szene zu folgen. Momentan ist es in, dass irgendwelche College Kids versuchen, schwedischen Death Metal zu spielen, ich hasse so einen Scheiß. Amerika hat noch nicht ganz verstanden, was Metal bedeutet aber wir versuchen, dass zu ändern. Uggghhh, bringe niemals College Kids und Metal zusammen!

Ihr habt von 1999 – 2000 eine selbstfinanzierte Welttour gespielt. Ist Euch etwas Besonders von dieser Tour in Erinnerung geblieben?

Wir sind in der Zwischenzeit noch einige Male getourt. Im letzten Sommer haben wir eine Tour durch Europa und die Staaten gemacht. Ja... ich erinnere mich an so manch lustigen Scheiß, warte mal... Ich kann es nicht sagen, sonst gäbe es Ärger. Uhh...Frauen, die sich irgendwelche Dinger in ihren Hintern gesteckt haben, eine Nacht im Puff, weil wir uns aus unseren Schlafquartieren ausgeschlossen hatten, in Wacken bin ich über mehrere Paare gestolpert, die gleichzeitig auf dem Boden gefickt haben usw. Dieser typische Metal Kram halt.

A propos Wacken: Ihr seid dieses Jahr wieder am Start. Was erwartet ihr von dem größten deutschen Festival?

Wacken ist großartig! Es ist cool, so viele Leute dort vereint zu treffen, die Bands sind ebenfalls alle klasse. Hoffentlich haben wir dieses Jahr mehr Zuschauer als beim letzten mal. Ich kann nur allen empfehlen: Schaut euch unseren Gig an, ihr werdet es nicht bereuen.

Steht eine Tour in diesem Jahr an?

Ja, wir werden Crest hier in den Staaten bei mehreren Shows an der Ost Küste supporten. Wir hoffen, dass noch einige Gigs hinzukommen. Natürlich wollen wir das Album auch in Deutschland promoten, weil dort auch unser Label sitzt. Leider werde ich während der Deutschland Tour nicht dabei sind, weil meine Frau letzte Woche unser erstes Kind bekommen hat (der kleine Scotty wiegt 9 Pfung und ist 67cm groß, ein Monster!). Ich hoffe, die Fans dann im nächsten Sommer wieder zu sehen. Matt Crooks von der Band Division wird mich für den Juli ersetzen.

Zu guter Letzt deine Message für die Fans:

Danke, dass ihr das hier lest und meine Ausschweifungen über Bier und Metal gefolgt seid. Für die harten Metal Freaks. Tut uns Leid, dass sich unser Album zu sehr nach Def Leppard anhört. Wir lieben es einfach, sind und sind sehr stolz darauf, also versteht bitte, dass wir es für uns gemacht haben. Bleibt immer ehrlich zu euch selbst und scheißt auf andere Leute, die euch runterziehen wollen. Für alle, die noch nie von uns gehört haben: Kauft „Crest Of The Martyrs“, wir haben hart daran gearbeitet! Das Package strahlt zudem in vielen coolen Farben, die sich sehr gut neben euren anderen CDs machen, selbst wenn ihr es nicht hört. Kommt auf unsere Tour und feiert hinterher mit uns. Cheers!

Oliver Bender