Stories

Juni 2009

Nach einer hektischen Autofahrt und einem dreistündigen Stau traf ich Chris Caffery in der Europahalle in Karlsruhe nach seinem Auftritt in der Band von Tim "Ripper" Owens.

Nach einer kurzen aber herzlichen Begrüßung kamen wir gleich auf die aktuelle Scheibe "House Of Insanity" zu sprechen. "Für mich war diese Platte, die ich bis auf die Drums im Alleingang in meinem Haus eingespielt habe, sehr wichtig. Die letzte Studioscheibe war eine sehr gemischte Sache. Sie hatte keine Richtung und ich wusste auch nicht wirklich wohin ich wollte. Daher waren viele Leute sehr verwirrt und konnten nicht glauben, dass diese Musik von mir war. Für "House Of Insanity" wollte ich endlich wieder die Musik machen, die mich bekannt gemacht hat und die meine Fans auch hören wollen." Das hört man der Platte auch in weiten Passagen deutlich an. Es wird alles geboten, was der Savatage Fan sich wünscht: Power Metal genauso wie Operettenhaftes und ergreifende epische Balladen, die trotzdem immer weit weg vom Kitsch sind. Diesen Spagat bekommt nicht jeder hin. Trotzdem findet sich auf der Scheibe auch eine faustdicke Überraschung.

"Als ich aufgewachsen bin, war überall um mich herum die Musik von Van Halen zu hören. Für einen Teenager aus meiner Umgebung gab es nichts anderes als laute Rockmusik und Heavy Metal. Ich habe damals nichts anderes wahrgenommen. Und so etwas wie Bob Marley and The Wailers war meilenweit von mir entfernt. Und als ich "House Of Insanity" produziert habe, bin ich quasi über diesen Song gestolpert. Er hat mich mit seiner textlichen Tiefe unglaublich begeistert und fasziniert. Und bisher hatte ich in meinem ganzen Leben noch keine einzige Coverversion aufgenommen. Aber diesen Song wollte ich so spielen, dass er mein eigener Song würde. Allerdings ist es jetzt eher ein heavy gespielter Reggaesong, kein wirklicher Heavy Metal", lässt der blonde, überaus sympathische Gitarrist sich vernehmen. "In der heutigen Zeit mit all ihren politischen und militärischen Problemen tut es gut, eine solch emanzipatorische und idealistische Botschaft unter die Menschen zu tragen. Ich bin das ganze politische System meines Landes Leid. Verstehe mich nicht falsch, ich liebe mein Land, aber es gibt keinen echten Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern. Allen geht es nur um Macht. Und um die zu erhalten, sind sie bereit uns alles zu erzählen, was wir hören wollen. Ich finde Barrack Obama sehr sympathisch, aber er versucht es immer allen recht zu machen. Und darum weiß ich nicht, ob man ihm wirklich vertrauen kann."

Im Folgenden nähert sich das Gespräch immer weiter gesellschaftlichen Themen. "Weißt Du eigentlich, dass der 11.September 2001 dafür verantwortlich ist, dass Savatage bisher nicht mehr aktiv geworden sind? Wir hatten eine Tour für Oktober 2001 geplant. Nach den Anschlägen vom 11.September mussten wir sie aus Sicherheitsgründen verschieben. Als wir im Januar loslegen wollten, gab es zu viele Veranstalter, die sich nicht sicher waren, ob wir denn wirklich kommen würden und machten einen  Rückzieher. Und so wurde uns der Wind aus den Segeln genommen und wir haben auch deshalb immer noch nicht mit den Arbeiten zum "Poets & Madmen" Nachfolger begonnen."

Aber Savatage sind noch nicht wirklich Geschichte. "Wenn einer an Savatage glauben muss, dann bin ich es. Ich bin nicht nur ihr Gitarrist, sondern auch der größte Fan dieser Band. Wenn ich aufhöre an diese Band zu glauben, dann besteht definitiv keine Hoffnung mehr. Aber wir haben uns nie aufgelöst und sind immer noch gute Freunde. Verstehe mich nicht falsch, Circle II Circle, Jon Oliva und ich machen immer noch tolle Platten, aber Savatage ist eindeutig mehr als alles, was wir jeweils einzeln auf die Beine stellen könnten. Alleine schon aus diesem Grund müssen wir wieder zusammenkommen." Aber Savatage ist natürlich nur eines Deiner Betätigungsfelder..."Oh ja, da wäre noch das Transsiberian Orchestra...Wusstest Du, dass wir mit TSO im letzten Jahr die erfolgreichste Liveproduktion der gesamten USA hatten? Wir arbeiten auch gerade an dem fünften TSO Album, das vermutlich nächstes Jahr auf den Markt kommen wird. Vielleicht kommen wir auch mit einem kleinen Streicherensemble nach Deutschland. Wir haben übrigens auch für Savatage schon Angebote aller großen Metalfestivals bekommen. Wir könnten jederzeit das Bang Your Head, Wacken oder andere Festivals headlinen. Wir wären schön blöde, wenn wir das nicht irgendwann tun würden!"

Auf die Frage, welche Aktivitäten denn nun bei ihm anstehen erklärt der Gitarrist: "Zunächst spiele ich die Tour fertig und hoffe dann für einige Gigs mit seinem Soloprogramm nach Europa kommen zu können. Aber zuvor muss ich erst eine Band zusammenstellen. Ich liebe nämlich Europa. Ihr habt solch eine großartige Architektur und überall wo man hinkommt riecht es nach Geschichte. In Amerika kannst Du höchstens zwei- oder dreihundert Jahre zurückblicken, aber in Europa rauben mir die alten Gebäude fast den Atem. Ich habe ja auch europäische Vorfahren aus Österreich, Russland und der Ukraine." Dein Nachname klingt jetzt aber weder deutsch noch russisch..."Das liegt daran, dass ich den Nachnamen meines irischen Stiefvaters trage. Das hat sich damals zufällig so ergeben. Wusstest Du eigentlich, dass mein Großonkel der Erfinder des Hubschraubers war?" lässt er sich nicht ohne Stolz vernehmen.

In Anbetracht der mittlerweile weit fortgeschrittenen Zeit verabschiedeten wir uns bei einem Bierchen und ich machte mich wieder auf in die Halle, wo gerade Heaven & Hell (= Black Sabbath mit Ronnie James Dio) ihren Soundcheck beendet hatten. Denn auch diese Götter darf man ja bekanntlich nicht warten lassen!

Frank Scheuermann






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