Reviews

Myrath
Shehili

Label: earMusic (2019)

Als junger Kerl hatte ich schon immer ein Faible für harte Rockmusik, die ethnische Elemente in ihren Sound integriert hat. In den 70ern und frühen 80ern war so etwas noch die absolute Ausnahme und einigen echten Hochkarätern überlassen: Led Teppelin (Kashmir), Rainbow (Stargazer, Gates Of Babylon), Mahogany Rush (Requiem For A Sinner) oder MSG (Desert Song). Es waren jedoch immer wetliche Musiker, die orientalische Elemente borgten, um sie ihrem Cocktail wie ein besonderes Gewürz hinzuzufügen.

Doch nach und nach begannen auch Jugendliche weit entfernter Länder, sich für Heavy Metal zu interessieren. Nach einer Phase des reinen Epigonentums westlicher Vorbilder hat sich nun unter dem misstrauischen Blick religiöser und gesellschaftlicher Autoritäten eine eigenständige kleine Szene gebildet, welche die eigenen musikalischen Traditionen mit westlichem Metal geschickt verknüpft, als hätte es nie anders sein sollen.

Dazu gehören Pentagram (TR), Amasefer (Isr), Orphaned Land (Isr) und eben Myrath. Die Letztgenannten legen fleißig seit etwa 10 Jahren in regelmäßigen Abständen Alben mit stetig steigendem Erfolg vor. Mit "Shehili" haben sie jetzt ein Eisen am Start, das alles mitbringt, um den internationalen Durchbruch ein ganzes Stück näher zu bringen.

Vom orientalischen Intro über Bauchtanzmusik bis hin zu klassischen Powermetal zelebrieren die fünf Tunesier alles, was ein wenig exotisch erscheint, aber in ihrem Kontext absolut stringent erscheint.

Es müsste mit allen Dschinns zugehen, wenn sie daraus kein Kapital schlagen können.

Frank Scheuermann

8/10






Rock & Pop Tickets bei www.eventim.de