Reviews

The Lucky Ones

Label: Powerage (2008)

Hehehe, schon nach den ersten Takten steigt ein dümmliches Grinsen in mein Gesicht und muss vermutlich in ein paar Monaten von einem guten plastischen Chirurgen entfernt werden. Das liegt daran, dass ich mich unglaublich wohl fühle, wenn ich durch Klänge an meine Jugend in den 70er Jahren erinnert werde. Und Pride Tiger bewirken genau das. Die junge kanadische Band hat die Schnoddrigkeit, die wir bereits von den Kings Of Leon kennen, spielen aber deutlich engagierter und nicht annähernd so bekifft. Sie rocken nicht ganz so herzhaft wie ihre Stilgenossen von The Answer oder Black Stone Cherry, aber sie bringen eine poetische Note in die Musik, wie sie der vor 23 Jahren verstorbene Phil Lynott zuletzt hatte. Vor allem die Phrasierungen des Sängers kommen sehr dicht an die große Vorlage aus Irland heran.

Dieser Eindruck wird durch die hochmelodische Gitarrenarbeit, die sich nicht scheut, auch einmal zweistimmig daherzukommen, noch positiv verstärkt. Bei 'What It Is' fühle ich mich gar an einige Parts aus 'Angel From The Coast' erinnert, ohne dass der Song auch nur ansatzweise abgekupfert würde. 'Fill Me In' klingt wie ein Überbleibsel aus den Chinatown-Sessions von Thin Lizzy...Das ist unglaublich! Allerdings erhebe ich hier genauso wenig Plagiatsvorwürfe gegen Pride Tiger wegen der Ähnlichkeiten zu Thin Lizzy, wie ich The Answer ihre Nähe zu Free zum Vorwurf machen würde. Es ist nur einmal so, dass Pflanzen, die im gleichen Garten wachsen durchaus Ähnlichkeiten zueinander entwickeln können. Für mich als zunehmend sentimentalen alten Sack ist das genau das richtige Mittel gegen Winterdepressionen. Stark!

Frank Scheuermann






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