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Hate For Sale

Label: Warner Music (2020)

The Pretenders sind eine der bands, die man wirklich nicht unbedingt den fleißigsten des Universums zurechnen darf. Gerade mal ein Dutzend Scheiben in 40 Jahren, das bringt keine Fleißbildchen ins Hausaufgabenheft. Und dann kommt nach urzeitn endlich mal wieder eine CD und die endet dann schon nach einer guten halben Stunde, quasi eine Mini LP.

Ist das schlimm? Nein, denn Chrissie Hynde und ihre Mannen ersparen uns den Großteil der Bedeutungslosigkeiten, die sich vor allem bei ihren Scheiben dieses Jahrtausends getummelt haben. Statt dessen besinnt man sich mehrheitlich an die energiegeladenen Anfangszeiten, als man Rockmusik der 60er und 70er mit einer gewissen Punkrotzigkeit verquirlte. Das beginnt schon beim Opener und blitzt immer wieder auf. Vor allem die Eindringlichkeit ihrer Stimme, welche die Pretenders immer zu etwas besonderem gemacht hat, ist wieder da.

Den Plattentitel beziehe ich einmal auf die Gegenwart, in der demokratische Grundpfeiler von den Mächtigen immer weiter erodiert werden, die Gesellschaft zum Nutzen der Regierenden gespalten wird und dubiose NGOs bzw. deren Hintermänner die Fäden in den Händen halten, von nichts und niemandem legitimiert, als ihrem eigenen Reichtum. Eine Zeit, in der einst vorbildliche Volkswirtschaften und Staaten von ihren eigenen Anführern an die Wand gefahren werden. Chrissie Hynde benennt das Problem im Hintergrund, ohne sich in konkreten Schuldzuweisungen zu verlieren. So erkenne ich zumindest nicht dieses billige, widerwärtige aber omnipräsente Trumpbashing, sondern eher Selbstkritik bezüglich der ehemaligen Wegbegleiter aus der alten Punkszene, die es heute nicht schaffen, eine stabile, lebenswerte Gesellschaft zu erhalten.

So gesehen: Ein recht reifes Werk, das auf jeden Fall ein Ohr verdient hat.

Frank Scheuermann

8/10 






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