Reviews

Refuge For Degenerates

Label: Burning Heart Records (2003)

Zu Beginn muss gesagt werden, dass ich überhaupt nicht glücklich darüber war, ausgerechnet das neue Album der Peepshows zu bewerten. Da ich die Band noch einen Monat zuvor im Schlachthof zu Wiesbaden auf der Heart Attack-Tour sah, und sie mir mal überhaupt gar nichts gegeben hatten. Es ist eine skandinavische Rock-Combo, die seit den späten 90’ern zusammen ist und hinter den Hellacopters auf Platz zwei der Schweden Rock’n’Roll Hitliste steht.

Die zu Beginn nur aus vier Musikanten bestehende Gruppe aus Örebro begann 1999 mit einer MCD („Right About Now“) auf einem Burning Heart Unterlabel, damals noch sehr stark geprägt vom Turbonegro-Sound. In diesem Jahr folgte dann auch die erste Tour, damals mit Puffball. Gut vier Jahre später erscheint ihr drittes Album bei Burning Heart. Sie sind weitergekommen in ihrer musikalischen Entwicklung und haben durch die Aufnahme ihres fünften Bandmitgliedes (E-Piano) einen neuen, eigenen Stil in der Flut des Skandinavien-Rocks geschaffen. Es ist jetzt mehr der klassische Rock, erinnernd an Status Quo oder The Who, doch in einer melancholischeren Art und Weise. Und im Vergleich zum dreckig verranzten Bild, das die Jungs auf der Bühne abgegeben haben ist ihr neues Album eher ein sanfteres, für die ruhigeren Gemüter. Wobei ich sagen muss, dass im Vergleich zum Live-Auftritt ihre Melodien nun viel besser ins Ohr gehen.

Auf dem Cover ist eine einsame, leere Landstraße durch die Pampa Schwedens zu sehen. Sie führt gen Horizont, an dem die Sonne gerade untergeht und den Himmel in ein sanftes Rosa haucht. Die Wolken bedecken leicht diese Atmosphäre durch ihre purpur-graue Farbe. In diesem Stillleben erkennt man schemenhaft die Gesichter der fünf Jungs, die scheinbar in den Himmel eingemeißelt wurden. Es erinnert mich stark an das Cover des Deep Purple Klassik Albums „In Rock“.

Die Musik ist keineswegs so ein schneller dreckiger Rock wie bei Gluecifer oder den Hellacopters. Man findet eher Melancholie, traurige Texte in sowohl langsamen als auch zügigeren Liedern. Sehr gut finde ich den Gesang, der einfach in Harmonie zu den depressiven Texten steht. Und während man von Schatten gejagt wird und sich an Tage erinnert, die man eigentlich vergessen wollte, sieht man die Welt von unten aus der am Boden knienden Sicht. Das Piano sorgt dazu für eine sphärische Untermalung, in die man sich zurückfallen lässt und den ausgefallenen, jedoch nicht nervigen Gitarrensoli lauscht. Wie gesagt, fürs ruhige Gemüt in traurigen Zeiten zu empfehlen (vor allem ,Where The Roads Have No End’ ist eine sehr einfühlsame Ballade).

Tim Ruhl






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