Stories

März 2003

Wer hätte gedacht, dass ich noch einmal mit Nasty Ronnie, dem Sänger von Nasty Savage ein Interview machen darf? Der sehr gut aufgelegte Ami hatte viel zu erzählen, machte es dem Redakteur aber durch sehr amerikanisches Englisch und dadurch, dass er während des Interviews zu Mittag aß, nicht leicht...

Wieso habt ihr Nasty Savage überhaupt reformiert?

Den eigentlichen Anstoß gab uns das Bang Your Head Festival 1998, da hatten wir so fantastische Reaktionen vom Publikum; das war einfach umwerfend. Dann fragte Crooked Records an, ob sie die ‚Penetration Point’ LP neu auflegen könnten. Doch in der Band merkten wir, dass da mehr gehen musste. Zudem kam noch, dass Crooked auch unser Demo unbedingt veröffentlichen wollten. Aus diesen Gründen begannen wir neue Songs aufzunehmen, um noch einen weiteren Bonus zu bieten.

Haben sich die Songs auf ‚Wage Of Mayhem’ und auf dem neuen, bald erscheinenden Album in den letzten 15 Jahren angesammelt oder ist das alles komplett neues Material?

Nein ich vermute eher wir haben es in den letzten 15 Wochen geschrieben (ha, ha). Wir schreiben momentan alle an neuem Material und Texten und es bringt einen riesigen Spaß. Wir sind wieder mittendrin, es gibt wieder Feeling (Die Begeisterung ist durch den Hörer zu spüren - Verf.).

Wenn ich behaupte, dass die neuen Songs härter, mehr auf Rhythmik als auf Melodie ausgelegt und moderner produziert sind, würdest du zustimmen?

Es gibt immer einen Fortschritt, wenn man etwas Neues macht und ich gebe dir Recht, wenn du sagst, dass die Songs straight forward sind. Wir wollten auch noch einmal so richtig schnell spielen, und ich denke das kommt unseren Fans entgegen (oh ja – Verf.); ich meine, ‚Penetration Point’ fanden wir damals in der Band absolut klasse, aber die Fans waren enttäuscht, sie fanden es zu abgefahren. Natürlich machen wir die Musik zuerst für uns selbst und dann für das Publikum, aber diesmal wollten wir auch selbst wieder mehr straight forward spielen.

Stehen die beiden neuen Songs repräsentativ für das kommende Album?

Sie werden nur auf der „Wage Of Mayhem“ erscheinen, dennoch wird das neue Material in etwa in diese Richtung gehen.

Um was geht es in dem Song ‚Wage Of Mayhem’?

Ich wollte diesem Knaller einfach einen interessanten Text geben. Die alten Fans werden, wenn sie auf den Text achten, eine Menge cooler Sachen, wie z.B. bestimmte Locations u.ä. heraushören. Neuen Fans wollte ich die Geschichte von Nasty Savage nahe bringen, da viele vielleicht denken, „Oh da gibt es eine neue Band, die heißt Nasty Savage“. Ihnen wollte ich eben zeigen, dass wir schon sehr lange dabei sind. Die Geschichte geht auch bis zum heutigen Zeitpunkt, darum heißt sie Part One, Part Two kommt vielleicht noch irgendwann.

Wurden die Demosongs remastered?

Yeah, wir haben das original Mastertape des Demos genommen und den Jungs gesagt, macht das mal richtig Old School. Und den Druck und die Power haben sie auf jeden Fall herausgekitzelt.

Nachdem ich meine Zustimmung geäußert habe und im weiteren Gespräch Nasty Ronnie mit meinem Alter (21) konfrontiert habe, ist erst mal Pause...

Uhh, ich bin 40, scheiße Mann, doppelt so alt! Aber ich finde es fantastisch, dass es junge Leute gibt, die unsere Musik immer noch mögen und sie damit einfach zu Metalklassikern machen.

Dein Gesang ist etwas tiefer geworden?

Ja, das mag sein. Man entwickelt sich eben weiter. In der Band ist es so eine Art Wettbewerb, jeder will ständig zeigen was er kann, wie er sich weiterentwickelt, so dass man schon fast unter Druck steht. Andererseits ist im Studio während den Aufnahmen auch die Tagesform wichtig. Man versucht zwar immer sein Bestes, aber es gibt doch viele Unwägbarkeiten. Auch gefällt mir mal der eine Gesangsstil von mir und mal der Andere besser. Momentan ist es, ‚Eromantic Vertigo’ (von der „Abstract Reality“ EP - Verf.).

Bei welchem Label seid ihr denn nun eigentlich, Crooked oder Massacre?

Massacre haben uns nur für den europäischen Markt lizenziert. Crooked ist aber unser Hauptlabel, die haben auch Lowbrow (mit Herrn Beeson und Mayer - Verf.) und mein Projekt Infernal herausgebracht.

Was ist überhaupt aus Infernal geworden?

Tja, Infernal waren nur ein Projekt für mich, in dem ich den Leuten mal zeigen wollte, dass ich auch ein Death Metal Sänger sein kann. Tief growlen und cool sein, das war mein Ziel.

Werdet ihr in Europa auf Tour kommen und was können wir dann erwarten?

Wir würden verdammt gerne auf Tour nach Europa kommen, hatten für Dezember auch schon Angebote, ebenso für den Sommer, aber wir hätten dann praktisch für nichts gespielt, wären ohne Geld nach Hause gefahren. Vor 20 Jahren hätte wir das auch noch gemacht, aber mittlerweile müssen wir auch sehen wo wir bleiben. Wenn ein ordentliches Angebot kommt, sind wir direkt dabei. Wir sind heiß darauf zu spielen.

Wenn du die 80er Metalszene mit der heutigen vergleichst, was ist der größte Unterschied?

Nun ich war ehrlich gesagt ein wenig aus dem Tritt, ich bin nicht völlig auf dem neuesten Stand. Viele der damaligen Fans sind eben Grunge Rocker geworden, hören Country, Techno, Hip Hop und anderen Bullshit. In Europa ist die Metalszene größer, dort stehen die Fans zu ihrer Musik und unterstützen sie. Hier in den Staaten gibt es schon einige tolle Orte, wo auch gute Szenen existieren, aber die sind alle nur lose miteinander verbunden.

Wie war das denn damals in Florida, praktisch im Metal-Nichts eine Band zu gründen?

Damals gab es wirklich noch gar keine Szene, wir mussten alles selbst organisieren. Wir spielten in Schweineställen und anderen abgefahrenen Orten und mussten die Szene sozusagen selbst gründen. Damals machte ich oft Fotos bei Konzerten und die Metalheads aus der ersten Reihe spielten dann ein paar Jahre später bei Morbid Angel, Deicide, Obituary, Death und auch Savatage. Es ist einfach klasse viele dieser Bands inspiriert zu haben. Wir waren auch mit die erste Band die im Morrissound aufgenommen hat, danach wollten alle dort aufnehmen, sogar aus Deutschland und Japan kamen Bands dorthin. Wir fühlten uns dazu berufen Standards zu setzten, nicht anderen nachzueifern.

Was war dein bestes Rock’n’Roll Erlebnis?

Definitiv das Bang Your Head 1998!! Das war einfach fantastisch. Die Fans feierten uns so dermaßen ab, obwohl wir doch jahrelang nichts gemacht hatten. Sie sangen die Songs mit und gaben uns damit unglaublich viel zurück, denn wir waren uns gar nicht sicher, wie wir empfangen würden. Es war der Höhepunkt meiner Musikerkarriere. Ein weiteres geiles Gefühl ist es aber auch, jetzt einfach noch mal den Bandarbeitsprozess mitzuerleben. It’s f**king exciting!

Wie sieht es denn momentan mit deiner Wrestlingkarriere aus?

Ich habe in letzter Zeit einige Sachen in den Universalstudios produziert, aber ich bin eigentlich nicht mehr in diesem Geschäft tätig. Das ist alles nur Fake, Soap Opera, aber auch ein knallhartes Geschäft. Es ist unglaublich schwierig oben zu bleiben, und die Jungs die groß sind, haben viel zu leiden. Ich meine, es hat zwar auch Spaß gemacht, aber es ist doch enorm hart. Außerdem möchte ich als Nasty Savage ernst genommen werden; in der Vergangenheit glaubten viele, dass die Band ebenso eine Verarsche wie das Wrestling sei, darum möchte ich beides klar voneinander trennen.

Deine fünf Lieblings Metal Alben...

Ich höre eigentlich relativ wenig Metal, daher kann ich fast nur Klassiker nennen. Scorpions, ‚Sad Wings Of Destiny’ – Judas Priest, die erste Maiden (Yes – Verf.), Black Sabbath, Slayer, aber auch Metallica, die ich weiterhin für eine tolle Band halte, weil sie den Metal einfach so bekannt gemacht haben und wie ich finde immer noch hart arbeiten.

Erstmal aufgetaut ist Ronnie kaum noch zu halten...

Da fällt mir ein, wir waren mal im gleichen Hotel wie Maiden, und trafen Bruce Dickinson und Co. im Aufzug. Ich fragte sie, ob sie Lust hätten mit uns Party zu machen und sie sagten einfach ja, das war verdammt klasse. An Bands gefallen mir auch alte Punkklassiker wie die Sex Pistols, Dead Kennedys und vor allem The Damned waren richtig geil. Ebenso die alten Heavy Klassiker wie Holocaust, Tygers Of Pan Tang und Angel Witch.

Als ich ihm erzähle, dass Angel Witch dieses Jahr das BYH spielen, nur mit Songs vom ersten Album ist er kaum zu halten.

Das freut mich für sie, aber wir würden verdammt gerne auch spielen. Schreib es für alle: Wir wollen auftreten!! Nicht nur auf dem Milwaukee Deathfest, sondern auch in Europa!

Deine letzten Worte...

Ich möchte dir und deinem Magazin danken, dass ihr weiterhin Interesse an uns habt. Auch Danke an alle Fans, geht auf unsere Homepage (www.nastysavage.com), tragt euch in das Gästebuch ein, es bedeutet uns sehr viel, wir schauen fast jeden Tag dort rein und lesen was unsere Fans uns schreiben. (Auf Deutsch) Auf Wiedersehen.

Geiles Interview!

Oliver Bender






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