Stories

April 2004

Nightwish sind zurück. Nach der wohlverdienten Schaffenspause veröffentlichen die Finnen im Juni ihr lang erwartetes 5. Studioalbum „Once“ um dann im Sommer erneut einen Gigmarathon auf sich zu nehmen, der weit bis ins nächste Jahr andauern wird . Obwohl Bassist Marco Hietala an diesem Tag bereits 15 Interviews hinter sich hatte, war er immer noch bester Laune und beantwortete mir geduldig meine Fragen...

Der einleitende Satz auf dem Info Zettel eures Labels lautet: Dieses Album wird neue Standards im Metal Genre setzen. Siehst du das auch so?

Das kommt drauf an, von welchem Standpunkt man das sieht. Neue Standards bedeuten für mich, dass wir etwas völlig Neues kreiert hätten, dem alle anderen nacheifern würden. So weit würde ich nicht gehen. Für die Band selbst trifft diese Aussage mit Sicherheit zu. „Once“ ist wesentlich tighter und heavier als die anderen Scheiben, dazu kommt noch die Orchester Begleitung. Es passt als Ganzes sehr gut, für uns persönlich ist dieses Album eine großartige Erfahrung und meiner Meinung nach auch das beste Nightwish Album.

Habt ihr mit „Once” die richtige Balance gefunden zwischen härteren Passagen wie etwa auf der „Centruy Child” Scheibe und den sinfonischen Elementen auf der anderen Seite?

Allgemein kann man das gar nicht beantworten. Fest steht, dass wir dieses Album so machen wollten und wir sind definitiv sehr zufrieden damit. Die Mischung, wie du bereits angesprochen hast, ist sehr gut, dass Orchester passt hervorragend zu dem Songmaterial der Platte. Das heißt aber nicht, dass dies jetzt ein Patentrezept ist. Für das nächste Album schlagen wir vielleicht wieder eine ganz andere Richtung ein. Deswegen würde ich sagen, auf das Album ein klares Ja, was die Zukunft bringt, bleibt abzuwarten.

Ich würde gern auf ein paar Songs näher eingehen. Die Drums bei ‚I Wish I Had An Angel’ klingen im Chrous nicht wie ein typisches Metalschlagzeug, sondern eher wie elektronische Beats...

Ja, dass stimmt. Wir haben das bei einigen Songs ausprobiert und haben uns dann letztlich bei diesem Stück dafür entschieden, es auch umzusetzen. Es ist eine Art Techno Rhythmus, der ganz gut zu dem Track passt, da es ein typischer Party Song ist. Es wird mit Sicherheit einige Leute geben, die das hassen werden aber ich denke bei einem Album von über eine Stunde Spielzeit kann man das durchaus mal bei einem Track machen. Man muss es ja nicht gleich übertreiben.

‚Ghost Love Score’ hört sich für mich wie ein typischer Film Soundtrack an. Wie schwer war es, diesen Song zusammen mit dem Orchester zu arrangieren?

So was ist immer schwierig. Das gilt jetzt nicht nur für ‚Ghost Love Score’ sondern für jedes Stück, dass zum Teil auch klassisch interpretiert wird. Tuomas hat natürlich im Vorfeld eine Menge Ideen, stellt sich vor, wie die Dinge ablaufen sollen, was alles mit rein spielen muss. Von daher war es sehr schwer, dieses Stück ohne Orchester zu spielen. Als die klassischen Parts später hinzukamen, wurde es einfacher weil man dann genau sieht, wie alles zusammen passt, wo man noch etwas verändern muss. Ich denke wir haben diesen Song sehr gut hinbekommen. Ich liebe vor allem den Mittelteil, in dem Emppu mit seinem gefühlvollen Gitarrensolo agiert, dazu die soften Keyboards im Hintergrund. In diesen Instrumentralparts funktioniert die Band als Ganzes sehr gut und das ist ein großartiges Feeling.

Die Idee, mit einem Orchester aufzunehmen, wurde in jüngster Zeit auch von Edguy und Stratovarius aufgegriffen. Ist es eine Art Traum für eine Band, einmal solch eine Produktion zu machen?

Ich kann natürlich nur für uns sprechen. Es ist auf jeden Fall eine große Motivation, diese Elemente zu nutzen weil sie die Musik aus meiner Sicht reicher an Inhalten machen. Jeder, der so etwas mit einfließen lässt, weiß natürlich auch, dass sehr viel Arbeit dahinter steckt. Aber die Ambitionen so etwas zu machen, kann ich auf jeden Fall nachvollziehen, die Mehrzahl der Tracks auf „Once“ wird davon auch mit beeinflusst.

Für ‚Creek Mary’s Blood’ habt ihr euch einen waschechten Indianer ins Boot geholt, der einige Parts auf der Flöte und in seiner Landessprache zum Besten gibt. Was ist der Hintergrund für diesen Song?

Dazu könnte Dir Tuomas jetzt eine Menge erzählen. Auf jeden Fall schwebte ihm das schon länger vor, eine Art Geschichte in einem Song zu verpacken. Diese Geschichte sollte auch von jemandem interpretiert werden, der selbst eine gewisse Historie hat. Tuomas hat dann im Internet recherchiert und ist so auf John Two-Hawks gestoßen. Er hat ihm die Lyrics zugeschickt und erklärt, welches Konzept hinter der Idee steckt. John hat dann auch zugestimmt, ist wenig später nach Finnland ins Studio gekommen, hat erst sein Flötensolo gespielt und danach die Lyrics gesprochen.

Die einzige “echte” Ballade des Album ist in finnisch. Warum?

Die Motivation entstand beim Komponieren. Die Idee dazu hatten wir schon länger. Es hat hauptsächlich was mit Nationalstolz zu tun. Wir wollten einfach mal einen Song in unserer Sprache auf dem Album haben.

Welcher Track ist dein persönlicher Favorit?

Ich hab die fertige Scheibe selbst erst letzte Woche bekommen. Hab zwar schon ein paar Mal reingehört und kann auf jeden Fall sagen, dass ich mit dem gesamten Album sehr zufrieden bin aber einen Lieblingssong…. schwere Frage… vielleicht ‚The Siren…

…mein erster Gedanke bei diesem Song war: Hört sich an wie die Musik von Xena der Kriegerprinzessin...

(lacht)… ja, die kenn ich auch. Stimmt, dass würde auch ganz gut passen. Tuomas hatte diese Idee: eine Frau, die auf einer einsamen Insel lebt und den vorbeifahrenden Seefahrern Lieder singt. Die Chorus Parts spiegeln ihre Visionen wider, von daher sollte das ganze ein wenig dramatisch aufgebaut sein.

Du hast dich bei deinen früheren Bands auch immer als Songwriter betätigt. Wie ist das bei Nightwish? Arbeitest du in dieser Hinsicht mit Tuomas zusammen oder ist das nach wie vor sein Baby?

Generell schreibt Tuomas die Songs selbst. Für dieses Album habe ich hier und da auch ein paar Sachen beigesteuert. Bei dem Track ‚Higher Than Hope’ haben wir einige meiner Ideen umgesetzt wie z. b. das Akustik Intro (das ich übrigens selbst auf der Gitarre spielen), die Verse und die Gesangslinien. ‚Romamticide’ enthält auch ein paar Riffs von mir. Ansonsten bleibt Tuomas derjenige, aus dessen Feder die Songs stammen. Die Arrangements werden natürlich von der ganzen Band gemacht, da bringt sich jeder mit ein.

Seit deinem Einstieg bei Nightwish sind die männlichen Vocalparts ein fester Bestandteil der Band. War das allein Tuomas Idee oder hast du das auch ein bisschen „gefordert“?

(lacht) Nein, gefordert hab ich nichts. Nightwish hatten ja auch auf den früheren Alben ein paar männliche Vocalparts, die von Gastsängern interpretiert wurden. Als Tuomas mich damals angesprochen hat, war ein Großteil der Songs für „Century Child“ schon in seinem Kopf, die Intention stammte also von ihm. Außerdem fehlte der Band zum damaligen Zeitpunkt auch ein Bassspieler. Deshalb haben wir gleich 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Wenn wir mal 2 Jahre zurückblicken gab es vor dem „Century Child“ Release einige Gerüchte um Tarjas Zukunft und einen möglichen Ausstieg nach der Welttournee. Wie ist der Stand der Dinge hat sie momentan Pläne, in Richtung klassische Musik?

Nein, momentan nicht. Ich denke, die Gerüchte wurden damals viel zu sehr hochgekocht. Es war nun mal so vereinbart, dass die Band nach der Welttournee eine Auszeit nimmt. Ich war damals noch relativ neu in der Band und habe von dem Thema auch nicht so viel mitbekommen. Fest steht jedoch, dass jeder die Auszeit sehr gut gebrauchen konnte. Bei Tarja kommt natürlich noch erschwerend hinzu, dass ihr Studium natürlich auch sehr intensiv und kräfteraubend ist, deshalb hat sie es vielleicht auch ein bisschen mehr gebraucht. Ein Ausstieg ist jedenfalls kein Thema. Wir sind während der Centruy Child Tour auch alle sehr nah zusammen gerückt, wie gute Freunde. Die ganzen Live Shows, die vielen Menschen, die uns zugejubelt haben, all das ist ein unbeschreibliches Gefühl, dass die Band zusammen erlebt hat und das uns sehr stolz und glücklich gemacht hat. Es ist wirklich eine sehr relaxte und familiäre Atmosphäre.

Da habt ihr ja bald wieder. Ab Sommer wird’s bestimmt nicht langweilig…

Oh ja, da hast du Recht. Wir werden im Sommer einige Festivals spielen bevor es dann im August nach Canada geht. Dann folgen 10 Shows in den USA wo wir mit dem Bus durch die Lande ziehen werden, dass kennt die Band auch noch nicht. Im September haben wir zwei Wochen Pause bevor es dann in unsere Heimat Finnland geht, wo wir auch schon lange nicht mehr gespielt haben. Danach folgen noch ein paar Abstecher nach Schweden bevor wir weitere Shows in Südamerika und Europa spielen. An Weihnachten sind wir zu Hause, im neuen Jahr geht’s dann voraussichtlich in Japan und Australien weiter, im Sommer schließt sich dann der Kreis mit ein paar weiteren Festivals.

Da habt ihr ja einiges vor. Kannst du dich eigentlich noch daran erinnern als du das erste Mal von Nightwish gehört hast?

Das müsste 1997 gewesen sein.

Hättest du damals gedacht dass die Band diese sensationelle Entwicklung nehmen würde?

Nein, davon war nicht auszugehen. Ich weiß noch, wie ich mit meiner damaligen Band einen Gig in Finnland gespielt habe. Nightwish spielten vor uns, die waren damals noch ziemliche Greenhorns. Tarja stand auf der Bühne und machte einen recht verlorenen Eindruck ha ha. 3 Jahre später haben wir dann mit Sinergy Nightwish auf deren Headliner Tour supported und da sah das schon ganz anders aus. Ich war sehr überrascht, wie viel Charisma die Band ausstrahlte, das Publikum förmlich in ihren Bann zog, zudem wirkte das ganze Auftreten wesentlich professioneller. Da deutete sich schon an, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht war.

Letzte Frage: Wer ist deine Lieblingsmetalband aus Deutschland?

Rammstein gefallen mit ganz gut. Sie machen eine sehr gute Show, die groovigen und maschinellen Effekte passen sehr gut mit dem harten Material zusammen. Die Videos sind auch klasse. Ja, das hat was.

Oliver Bender






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