Stories

April 2008

Es ist immer wieder faszinierend einen neuen Silberling im Player laufen zu lassen, der ganz neue Maßstäbe setzt, etwas neues hören lässt. Es ist sehr mutig von solchen Bands etwas völlig anderes auszuprobieren. Besonders klasse ist es natürlich dann wenn dieses Neue auf Anerkennung, Geschmack stößt. Meist sind die Meinungen natürlich zwiegespalten, aber so bleibt die Sache natürlich auch Spannend. Univited Guest zählen im allgemeinen zum Gothic Rock, jedoch ist ihre Musik nicht wirklich in ein Genre einzuordnen. Über das neue Album ,Malice in Wonderland´ haben wir mit ihnen gesprochen.


Geht man von Informationen aus dem Internet aus, zählt eure Band und somit Eure Musik zum Gothic Rock. Doch hört man sich „Malice In Wonderland an“ kann man die Art Eurer Musik schwer definieren. Wie bezeichnet oder erklärt ihr selbst eure Musik?

Dean: Das stimmt wohl dass man unsere Musik nicht so einfach definieren kann, aber auf eine bestimmte Art und Weise ist das eine gute Sache. Ich denke wir sind visuell und musikalisch sehr theatralisch. Meine Texte reflektieren oft die dunkleren und/oder romantischeren Dinge des Lebens, so betrachtet denke ich dass die Bezeichnung „Gothic“ durchaus zutrifft. Es ist ein sehr weites Genre und ich denke dass Rock/Industrial/Glam und manch andere Einflüsse alle durchaus ihren Platz dort finden können um es mal so zu sagen.

Lucas: Musikalisch gesprochen, bei uns finden sich viel verschiedene Stile in der Musik: Goth, Metal, Glam, Elektronisches, Klassik, in einem Song sogar Jazz. Diese Gothic-Plakette ist manchmal irreführend für uns, ich denke es hängt doch vom Hörer ab und seinem Verständnis dafür was für eine Art Musik es für ihn ist. Für uns charakterisiert der Gothic unsere Empfindungen wenn du es so willst, unsere Lebenseinstellung und die Art und Weise wie wir uns geben, aber es definiert nicht wirklich zu 100% unsere Musik.

Eure Texte sind aus dem wahren Leben gegriffen und handeln oft von dramatisierenden Erlebnissen. Wie z.B. bei ,Abigail´. Was hat euch dazu bewogen dieses Lied zu schreiben? Wie seit ihr darauf gekommen?

Dean: Der Text und die Thematik stammen von mir. Ich denke in alternativer Musik hat der Künstler mehr Spielraum für Themen die sich nicht unbedingt im Mainstream anfinden lassen. Ich betrachte das Leben generell, aber auch eigene Erfahrungen und Erfahrungen von Leuten die ich kenne für meine Texte. Manche der Texte die ich schreibe sind sicher unbequem, aber ich denke es ist wichtig diese Probleme anzusprechen um Leuten die darunter leiden mussten eine Stimme zu geben. Ich habe tatsächlich E-mails erhalten von Leuten die mir dafür gedankt haben es genau so zu machen. „Malice in Wonderland“ ist ein gesellschaftlicher Beitrag der die dunkleren und die helleren Seiten des Lebens wiedergibt.

 „Strange Gothic Romance“ hat mich von der Melodie her sofort ein bekanntes Lied       erinnert. Nach langen Überlegungen kam ich auf Elvis, irgendein Hawaii Lied. War das beabsichtigt?

Dean: Den Song den du gerade genannt hast habe ich nie gehört, Ähnlichkeiten sind daher ganz sicher Zufall. Aber ich werde ihn mir mal anhören, ich bin neugierig…hehe.

,The Law Of The Playground` ist ebenso sehr dramatisch. Es ist nicht einfach Kind zu sein, und viele haben ein schweres Schicksaal, dass kam man aus diesem Text erfahren. Habt ihr selbst solche oder so ähnliche Erinnerungen an eure Kindheit?

Dean: „Law of the playground“ ist einer der Songs die von meinen eigenen Erfahrungen inspiriert wurden, auch wenn ich offensichtlich nicht so ein tragisches Ende gefunden habe wie es in dem Song erzählt wird. Ich denke das „Fertigmachen“ ist eine furchtbare Sache und sehr viel alltäglicher als es manch einer zugeben möchte, gerade die Schulen selbst. Ich habe auch zu diesem Song viele E-Mails erhalten, Leute die selber in der Schule fertig gemacht wurden können mit den Texten sicherlich etwas anfangen. Auch viele Eltern haben das was wir machen als positive Sache begrüßt. Es regt zum Denken an, und genau das soll es auch.

Ein Markenzeichen von Euch ist ganz klar eurer Styling. Wie seit ihr darauf gekommen? Es sieht sehr aufwendig aus, wer kümmert sich darum?

Dean: Wir haben alle unsere eigenen Vorstellungen von Image und Kleidung, aber ich denke schon man kann sagen dass das meiste von Lucas und mir kommt. Lukas hat einen Titel in Kunst und ich arbeite in meinem Leben viel mit Mode, auch was Haare und Make up betrifft. Ich passe meine Kleidung auch normalerweise selbst meinen eigenen Wünschen an. Was die Bühnenauftritte und Foto-Sets betrifft, kümmert sich Lucas normalerweise um sich selbst. Jane macht das Make up, ich kümmere mich um Ricky und mich selbst.

You Are Your Kingdom  ist wiederum ein Song der Mut machen soll. Ist es euch wichtig das Menschen ihre sich nicht unterordnen? Soll der Song etwas in uns wachrütteln?

Dean: Absolut, dieser Song handelt vom Selbstbewusstsein, darüber deine Angelegenheiten, dein Leben und dein Schicksal selbst zu bestimmen. Wir leben in einer Welt die uns permanent versucht einzuengen. So wie ich das sehe, so lange wir niemandem weh tun dabei sollte unser Leben unserer eigenen Vorstellung nach verlaufen. Wir sollten ehrlich zu uns selbst sein und nach unserer eigenen, persönlichen Großartigkeit streben. Es ist ein „Feel good“ Song, auf dem Album hört man viel von den dunkleren Seiten des Menschen, dieser Song stellt einen ganz hellen Hoffnungsschimmer dar.

Ich interessiere mich persönlich sehr für Songtexte, daher ist mir euer Album erst recht ans Herz gewachsen. Wie eingängig befasst ihr euch mit dem Songwriting?

Dean: Als der Lyrikschreibende in der Band sind mir die Texte  von immenser Wichtigkeit. Ich bin immer sehr vorsichtig, achte darauf dass sie präzise und leicht zu verstehen sind. Mir ist es sehr wichtig dass sie nicht falsch verstanden werden. Ein Song ist wie eine Geschichte für mich, eine schwache Story bedeutet der Song ist schwach. Für Tanzmusik mag das ok sein, aber wir machen etwas anderes. Ob du nun den Texten zustimmst oder nicht, aber zumindest solltest du sie verstehen können.

Welche Bedeutung hat der Albumtitel?

Dean: Wir haben diesen Titel aus verschiedenen Gründen ausgewählt. Zunächst, und sicher auch das Wichtigste, spiegelt der Titel die Themen des Albums wieder. Malice = des Menschen dunklere Seite, Wonderland = das Leben. Aber auch deshalb weil es nach einem Märchen klingt und natürlich auch Lewis Carrolls „Alice in Wonderland“ war dabei ein Einfluss, der Titel ist dadurch einprägsamer. Ich bin mir bewusst darüber dass der Albumtitel schon mal verwendet wurde, aber in unserem Fall findet er Verwendung als reine Metapher.

Werden wir euch hier in Deutschland live auf der Bühne sehen können?

Lucas: Wir haben Auftritte in den UK dieses Jahr und unser Label verhandelt mit Promotern und Festivalausrichtern auf dem Kontinent, wir hoffen also sehr bald außerhalb der UK auftreten zu können!
Deutschland wird natürlich unsere erste Adresse sein.

Habt Ihr schon Feedbacks bekommen wie euer neues Album bei den Hörern so ankommt?

Lucas: Das Album wurde von allen Seiten mehrmals beleuchtet vor dem Release und jetzt nach dem Release, vielen Dank an unser Label für die wirklich gute Arbeit. Was die Presse-Reaktionen betrifft ist da ein „Liebe oder Hasse es“ Muster zu erkennen. Wir hatten Berichte vor Augen die unsere Erwartungen echt übertrafen, aber auch ziemlich vernichtende Berichte. Es ist seltsam, wir haben kein Feedback gesehen das irgendwie dazwischen lag, was aber denke ich gut ist! Was unsere Fans betrifft, die waren mehr als couragiert. Wir haben jede Menge Mails mit positivem Feedback von Ihnen erhalten. Hier, in den UK, sind wir sehr glücklich darüber so eine starke und loyale Fanbasis zu haben und wir hoffen dass diese ganze Sache es über den Kanal schafft in den kommenden Monaten.

Einen sehr hohen bekanntheitsgrad hat UG noch nicht erreicht (jedoch glaube ich das sich das bald ändern wird) wollt ihr irgendwann von der Musik alleine Leben? Oder ist dies jetzt schon möglich?

Jane: Hier in den UK ist es fast unmöglich sich mit dieser Art von Musik den Unterhalt zu verdienen, es gibt nicht wirklich die nötige Szene oder Fanbasis um das zu erreichen. Ich weiß das als DJ und Promoter einer der populärsten Klubs im Nordwesten Englands, und obwohl es uns schon über 8 Jahre gibt sind wir nicht mehr als ein kleiner, monatlicher in Erscheinung tretender Untergrundevent. Hier in den UK ist die  Anhängerschaft sehr klein, aber treu ergeben. Ehrlich, „Uninvited guest“ besteht bis jetzt durch Liebe und Hingabe. Wir machen die Musik aus Liebe und Spaß am Spielen, Performen und Aufnehmen. Wenn wir größeren Erfolg in Europa haben können, wir haben nun auch ein tolles Label namens „Maddening Media“ und es wäre eine super Sache – aber das ist nicht der Grund warum wir das tun und wir werden immer noch die gleiche Band sein, auch wenn wir weiter von unseren eigenen Investitionen leben müssen. Wir lieben diese Band und glauben zu 100% an sie!

Danke das ihr euch Zeit für dieses Interview genommen habt. Danke für die Antworten. Wollt ihr unseren Lesen noch etwas sagen?

Dean: Ich möchte euch danken und den Lesern für euer Interesse an „Uninvited guest“. Wir hoffen sehr euch gefällt unser neues Album „Malice in Wonderland“ und, die Finger gekreuzt, wir werden euch später dieses Jahr auf einer deutschen Bühne begrüßen. Respekt und die besten Wünsche von uns.

 

Steffie Kraemer