Stories

April 2003

The Defaced haben mit der "Karma In Black" ein sehr hörbares Album in die Welt entlassen. Darum war es nur selbstverständlich, dass es ein Interview mit der Band in Person von Hendrik (v.) zu führen galt...

Was kannst du über den Titel des neuen Albums sagen? Was ist seine Bedeutung im Hinblick auf Texte und Musik?

Der Gedanke als wir den Titel suchten war, dass es eine Reflexion über die Unausweichlichkeit von schlechten Ereignissen war, die im Leben jedes Einzelnen vorkommen. Jeder von uns muss durch harte Zeiten gehen und manchmal hat man dann das Gefühl, das einem nur die schlechten Dinge passieren. Man ist sozusagen in einem endlosen Kreis aus beschissenen Erlebnissen gefangen. Wir sind absolut nicht religiös (das will ich aber auch hoffen, denn wehe wenn ihrs wärt, dann...- Verf.), es ist nur ein Weg zu sagen, greife den schwarzen, schlechten Kram in deinem Leben auf und nutze ihn als Stärkung, um dann darüber hinweg zu kommen. Was dich nicht tötet, macht dich stärker.

Was sind die Unterschiede zum Debüt?

Ich denke wir haben die Teile der Songs, die wir am besten fanden, als Richtungsweiser genommen. Wir planten das nicht, sondern ließen es einfach geschehen. Wir gehen immer sehr locker an das Schreiben von Musik heran. Wenn die Musik im Bauch gut abgeht, dann weißt du, dass du gute Musik geschrieben hast. Die Leute, die das Album bis jetzt gehört haben, waren sehr positiv überrascht über die Entwicklung im Songwritingbereich und den Tracks selbst. Wir glauben, dass wir mit diesem Album die richtige Saite zum klingen gebracht haben und wir einen eigenen Sound besitzen, den wir nun weiterentwickeln können. Wir fühlen uns durch "Karma In Black" einfach besser repräsentiert.

Ihr klingt amerikanisch. Denkst du dass es in erster Linie an der Stimme liegt?

Ja, da hast du recht, aber wir haben das nicht geplant, sondern es geschah einfach. Den Metal, den du bis jetzt aus Schweden gehört hast war nur schnell und direkt in die Fresse, wir wollen diesen Kreis nun verlassen. Die Mitglieder von The Defaced sind nicht in dieser Art von Musik verwurzelt (Na ja - Verf.), wir wollen mehr Groove in die Musik bringen. Zum Gesang muss ich das gleiche sagen, ich will meine Gesangslinien eingängig halten mit heftigen Parts ebenso wie mit cleanen gefühlvollen. Es ist ein Balanceakt, sehr einfach einen Fehler zu machen und damit den ganzen Song zu ruinieren. Ich werde auch so weitermachen, denn ich denke, dass ich den ultimativen Stil gefunden habe um im Metal zu singen. Harte, softe und catchy Töne, das ist das Ultimative.

Ihr surft so irgendwo zwischen Schweden Metal und Neuem Metal. Als ihr das Album produziert habt, welche Soundelemente waren euch am wichtigsten?

Wir hatten uns einen fetten, pumpenden und groovenden Sound zum Ziel gesetzt. Wir vernachlässigten nichts, sondern wollten, dass jede Saite perfekt getroffen wird und jede Note stimmt. So ist es ja auch gekommen. Wir arbeiteten klasse zusammen und pushten den anderen bis an seine Grenzen. Ich selbst zum Beispiel habe mit Mattias zusammen die meisten Vocals des Albums aufgenommen. Ich war völlig angepisst von ihm als die Session vorüber war. Er saß im Kontrollraum und schrie wie ein Trainer beim Boxen: Come on man, you can do it better than that, do it again! Aber die harte Arbeit hat sich ausgezahlt, ich bin sehr stolz auf meine Leistung bei diesem Album (beim letzten Mal war ich das nicht!) und ich denke wir alle in der Band sind es.

Was sind eure Einflüsse (Bands, Stile)?

Wir sind so verschieden. Wir hören jede Art von Musik, ein riesiges Spektrum. Von 60er Jahre Musik bis hin zum schnellsten und härtesten Metal. Zum Beispiel: Kiss, Voivod, Chili Peppers, Maiden, Tea Party, Metallica, Pantera, Zakk Wylde, Foo Fighters etc.

Um was geht es in dem Video 'Once In Between'?

Das Konzept, das hinter dem Video steht, ist es einfach zu halten und die Band in einem angemessenen und passenden Licht zu präsentieren. Ich denke, dass wir diese Message auch rüberbringen konnten. Die einzige Nebengeschichte handelt davon, dass eine Rose während des Videos herunterfällt und am Ende auf dem Boden zerbirst. Dies soll eine Art Symbolik sein, um zu sagen, dass alles Schöne irgendwann zu einem Ende kommen muss und stirbt. Der Rest ist einfaches Gezocke auf der Bühne. The Defaced way. Es ist auf unserer Homepage www.thedefaced.com zu finden, dort kann man es sich herunterladen.

Wie oft probt ihr denn? Ist das einfach, da Darkane und Soilwork mit Sicherheit die größeren Bands sind?

Wir proben normalerweise einmal pro Woche, aber alle arbeiten selbst zu Hause wesentlich mehr. Ich schreibe meistens in meiner Wohnung und schreibe einige nette Melodien und solchen Kram. Mattias nimmt seine Ideen mit dem Computer auf und sendet sie uns dann im MP3-Format zu. Ich denke das ist ein guter Weg zu arbeiten, da man so den anderen seine Ideen aufzeigen und dann entscheiden kann, wann es Zeit ist sie einzuüben. Wenn Darkane oder Soilwork auf Tour gehen, schreiben wir einfach ein paar Texte oder so, es kein Problem das alles zu kombinieren.

Was sagst du denn zu Leuten die behaupten, dass The Defaced nur ein Nebenprojekt der anderen Bands sei?

Es beginnt mich langsam echt anzupissen (dann hat der Journalist sein Ziel erreicht, hi, hi - Verf.) jeder scheint zu glauben, dass wir ein Sideproject sind, aber das sind wir nicht!! Wir sind genauso eine Vollzeitband wie andere auch. Klas, Mattias und ich begannen vor 10 Jahren zusammen zu spielen, Henry und Jörgen kamen so etwa 1999 dazu. Die einzige Sache ist die, dass Soilwork und Darkane vor uns Plattenverträge bekamen. The Defaced sind hier und werden auch hier bleiben und Aufnahmen veröffentlichen bis wir tot umfallen, das ist ein Versprechen. Ich muss auch all die Leute von den Magazinen fragen: Wenn ihr nicht wisst, ob eine Band ein Nebenprojekt ist, warum schreibt ihr es dann? (Habe ich nicht - Verf.) Recherchiert die Fakten bevor ihr etwas schreibt!!

Werdet ihr auf Tour gehen?

Es wird gegen Ende des Jahres eine geben, aber ich kann dir noch nichts Genaueres sagen, weil noch nichts gebucht ist. Hoffentlich wird es eine Europatour. Zudem spielen wir noch auf dem "A Day At The Border" Festival in Mailand im Juni, da lassen wir es dann richtig krachen!!

Nun kommt es zu einer lustigen Verwechslung, ich wollte Hendriks Playlist haben, er dachte ich wollte das Liveset seiner Band wissen:

Ich kann es dir noch nicht sagen, wir haben noch nichts entschieden. Die meisten werden von der neuen sein, zwei oder drei von "D.C."

Ein Album, das du wirklich hasst und warum?

Ich hasse keine Musik wirklich; ich kann alles hören, wenn es in ordentlicher Dosierung kommt. Oh, es gibt eine schwedische Gruppe, sie heißt Kent und ist sehr populär hier in Schweden, die kann ich nicht ausstehen. Meine Freundin liebt Pink Floyd und deren Aufnahmen gehen mir langsam auch auf die Nerven, aber nur weil ich sie schon zu oft gehört habe, ha, ha.

Was war das Beste was dir bis jetzt in deinem Leben passiert ist?

Nun, das ist eine harte Frage. Ich würde sagen meine neue Freundin zu treffen. Sie unterstützt mich total und füllt mein Leben aus. Ich bin jetzt wesentlich harmonischer und fröhlicher als ich es zuvor war. Wenn du gute Freunde hast oder jemand anderen der dich liebt, ist es viel einfacher sich durch das Leben zu schlagen. Glaub mir ich weiß das.

Deine letzten Worte:

Wenn ihr The Defaced nicht kennt, kauft euch "Karma In Black". Bevor ihr es hört, bereitet euch auf harten, groovenden Metalbrecher vor. Dreht den Regler nach rechts und rockt ab. Take care and stay Defaced!

Christian Kremp






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