Stories

Oktober 2005

Kurz nach Veröffentlichung ihres neuen Albums „Harter Tobak“ stand mir Arne, Sänger der Punkrock-Band Die Traktor aus Frankfurt, Rede und Antwort. Lest hier die teils überraschenden, lustigen oder auch sehr ernsten Antworten…

Fangen wir ganz klassisch an: Euer Bandname - ein Horror für jeden Deutschlehrer - wie kam es dazu?

Also, mein Deutschlehrer war damals ziemlich zugedröhnt, und...nein, wir hatten unseren ersten Auftritt, damals noch unter anderem Namen („The Fishheads“ Anm. d. Red.), in einer amerikanischen Kaserne. Weil man uns kein Equipment und keine Bühne zur Verfügung gestellt hatte, spielten wir auf einem eigens für den Abend von einem Bauern geklauten (naja, nicht ganz so) Traktor incl. Anhänger. Nach dem Konzert nannte man uns einfach nur noch "The Guys mit Die Traktor". Wie kann man einer solchen Ausdrucksweise widerstehen? Und so nannten wir uns dann auch. Die Amis haben es halt drauf...mit der, die, das.

Wie würdest du unseren Lesern, die euch noch nicht kennen, Die Traktor beschreiben?

Wir sind eine konsequente und spaßige Minderheit, mit keinerlei Interesse an Halbkreisen vor der Bühne! Und nebenher sind wir dann auch noch ein bisschen Punkrock! Wir genießen es einfach auf der Bühne zu stehen und ich denke, das Publikum merkt das auch, wenn es vor der Bühne steht bzw. von ihr springt.

Euch gibt es nun schon einige Jahre, was ist in dieser Zeit bei euch so passiert?! Soweit ich weiß wart ihr eine zeitlang bei einem Plattenlabel unter Vertrag und auch einen Live-TV-Auftritt habt ihr bereits hinter euch...

Man tut was man kann! Dem Plattenlabel haben wir dann ja aber glücklicherweise wieder den Rücken gekehrt. Zu knebelnd wäre es für uns gewesen, hätten wir uns nicht von dem Vertrag losgesagt. Um TV-Auftritte, Radioplays usw. kümmern wir uns mittlerweile selbst, natürlich auch mit der Unterstützung von Traktor-Freunden. Dadurch sind wir einfach unabhängiger, und tun nur das, wozu wir auch wirklich Lust haben. Wir haben in der Zeit unseres ersten Auftritts immerhin 3 nette Alben rausgebracht, von der unser aktuelles Werk wohl mit das aufwendigste ist.

Aus eurer Abneigung gegenüber Plattenfirmen habt ihr nie ein Geheimnis gemacht und mit ‚Labelcode’ sogar einen Song drüber geschrieben. Woher kommt diese krasse Einstellung und steht ihr wenn es hart auf hart kommt auch wirklich dazu?

Wir haben an eigenem Leibe erlebt, was es heißt, sich abhängig zu machen! Ob das nun wirklich eine „krasse" Einstellung ist, mag ich nicht zu beurteilen, aber ich rate jedem sich einmal wirklich mit der Musikindustrie, wie sie heute existiert, zu beschäftigen. Da bleibt nicht viel übrig für die Musiker, geschweige denn geht es im entferntesten Sinne noch um die Musik selbst. Aus diesem Grund haben wir uns nun auch von der bekannten GEMA verabschiedet. Solch altbackene rein kommerziell orientierte Institutionen müssen wir mit unseren Mitgliedsbeiträgen nicht auch noch fördern. Die Frage ob und wann es „hart auf hart" kommt stellt sich für uns zu diesem Zeitpunkt nicht. Wir haben eine Fangemeinde, die uns unterstützt, und das ist uns wesentlich wichtiger!

Für euer neues Album „Harter Tobak" habt ihr euch zumindest für einen Vertrieb entschieden, der dafür sorgt, dass man es in ganz Deutschland bzw. online natürlich weltweit kaufen kann. - Das reicht euch also erst einmal an kommerziellen Firmen?

Die Kooperation mit unserem Vertrieb, und es handelt sich nur um eine Kooperation aus der wir zu jeder Zeit wieder aussteigen können, dient allein dem Zweck unser Album flächendeckend zur Verfügung zu stellen. Die Preise unserer Platten bestimmen wir immer noch selbst. Wir nutzen nur die Möglichkeit, die sich uns hier bietet, sind aber dennoch in jeder Hinsicht unabhängig. Ich finde es wichtig, die Möglichkeiten und hierbei auch die Medien für seine Zwecke zu nutzen. Das rate ich auch jeder anderen Band. Ich halte das in keinem Maße für kommerziell, da wir immer noch für alle Inhalte und Maßgaben verantwortlich sind, ohne uns hier sehr einschränken zu müssen. Wir zocken niemanden ab! Dafür stehen wir mit unserem Namen! Den ich übrigens immer noch sehr geil finde, auch wenn wir ihn nicht selbst erfunden haben...

Klingt vernünftig!

Danke, danke!

Für euren Longplayer habt ihr euch mächtig ins Zeug geschmissen und alles selbst organisiert - angefangen vom Cover bis hin zur Release-Party. Was hat am meisten Zeit in Anspruch genommen?

Ich denke das hielt sich so einigermaßen die Waage. Für das Cover haben wir viel Zeit an kleinen Details, den Fotos und der Story verbracht. Uns war es wichtig, für „Harter Tobak" ein Cover zu machen, was selbst ohne CD einfach nur geil ist. Für die Organisation der Releaseparty hatten wir etwas mehr Zeit, aber auch hier mussten wir uns um den Druck der Plakate, die Deko der Location, die Koordinierung der anderen Bands und die Pressearbeit kümmern. Am Schluss wird man für seine Arbeit aber immer belohnt!

Ja, dann erzähl doch mal wie war sie denn, die Release-Party?

Sie war so, wie wir uns das vorgestellt hatten! Volles Haus, Stagediving, schwitzende und grölende Leute, geile Support-Bands, und ein langer Abend! Ich muss mich noch mal bei unseren Fans für die Hilfe bei der Vorbereitung bedanken, denn ohne sie wäre die Releaseparty nur halb so gut gelaufen.

Nun aber mal zur Platte! Was erwartet die Leute aus deiner Sicht?

Harter Tobak!

Ich sehe schon, der Name ist Programm! Aber geht es vielleicht noch ein bisschen genauer?!

Ich werde den Hörern an dieser Stelle nichts vorkauen und will auch nicht zu viel verraten, da wäre ja die ganze Spannung weg! Nur so viel: Es wurde nicht an ausgefallenen Texten und melodiösen Punkriffs gespart.

Thema Texte: Du bist verantwortlich für die Texte, was beeinflusst dich dabei und wie entstehen diese bei euch? Verschiedene Songs, wie ‚Großstadt Kapitän’ und ‚Zeitmanagement’ klingen sehr autobiografisch - in wie weit sind sie das auch?

Um wirklich gute Texte zu schreiben brauche ich unseren Drummer Harrison an meiner Seite. Er war schon beim letzten Album meine Inspiration. Ich denke schon, dass bei „Harter Tobak" einiges an autobiografischen Elementen eingeflossen ist, zumindest bei einigen Songs. ‚Großstadt Kapitän’ hatte ich für meine Ex-Freundin geschrieben, jedoch gleichzeitig auch für die Stadt aus der wir kommen. Frankfurt an sich hat uns in vielen Dingen beeinflusst. So auch die Titel ‚Zeitmanagement’ und ‚Kleiderordnung’. Im ersten Moment mögen einige Texte sehr oberflächlich wirken, aber in jedem steckt eine kleine priese Gesellschaftskritik.

Was haben wir in nächster Zeit von euch zu erwarten?

Also wer es nicht schafft, uns auf unserer Tour im Frühjahr zu sehen, der sei gewarnt. Wir kommen wieder! Denn solange ihr uns nicht kennt, geben wir keine Ruhe!

Das klingt doch gut! Dann danke ich dir für das Interview und wünsche euch weiterhin viel Erfolg!

Danke auch!

Gern geschehen!

Verena Kuhn






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