Reviews

Cheer Up!

Label: Jive Records (2002)

Ein knappes halbes Jahr ist nun vergangen und wir haben zu verkündigen, dass Reel Big Fish nach ihrem Best-Of Album „Favorite Noise“ eine neue klasse Scheibe namens „Cheer Up!“ am Start haben, die sicherlich das Potential hat irgendwann Kultstatus zu erreichen…

Der Opener ‚Good Thing’ legt gleich zu Beginn richtig los, das heißt man kann sich die Seele aus dem Leib grölen und bekommt handfesten Rock’n’Roll inklusive cooles Hintergrundgebläse geboten. Weiter geht es mit ‚Ban The Tube Top’, das eindeutig von seinem ebenfalls lauthalsmitsing Refrain lebt und durch die coolen Bassläufe besicht (stellenweise wird geslapt!). In ‚Where Have You Been?’ wird es das erste Mal ruhiger, okay aber auch nur zu Beginn, denn was dann folgt dürfte schwer zu toppen sein: ein Lovesong, voller Gefühl und natürlich Rock’n’Roll at it’s best. Bei diesem Thema verharrt Reel Big Fish auch in ‚Suckers’, etwas ungewöhnlich anzuhören, denn die Verses sind im George Michael Stil gehalten mit dumpfen Drums, doch der Chorus ist wieder typische Reel Big Fish Kost, Schmankerl diesmal: die Glocke an den Drums kommt zum Einsatz. Das die Jungs auch ein wenig Selbstironie an den Tag legen können zeigen sie dem Zuhörer in ‚Dateless Losers’, denn hier klagen sie über ihr Leid, dass sie nie im Leben eine Date bekommen werden und einsam sterben werden, natürlich auf lustige Art und Weise umgesetzt mit einem wahnsinns Gitarrensolo. Heimliches Highlight des Longplayers ist ‚Valerie’ lyrisch genial („Valerie, you make me wish I was dead“) und musikalisch perfekt: von Ska im Jamaica Style über puren Rock’n’Roll bis hin zu ruhigen Parts ist alles inbegriffen. Um nochmals beim bisher so oft erwähnten Rock’n’Roll zu bleiben: ‚Rock’n’Roll Is Bitchin’’ ist ein klasse Song, der auch ohne weiteres auf jedem Bon Jovi Album hätte enthalten sein können, leider fehlen hier etwas die Bläser, dafür bekommt man Gitarrenarbeit vom allerfeinsten geboten. Nun wird es ganz ruhig, denn als Besonderheit haben Reel Big Fish eine A-Capella Version des Sinatra Klassikers ‚New York, New York’ aufgenommen, die nochmals ihr musikalisches Können eindrucksvoll unterstreicht. Nach einem Gebläse orientierten, spanisch anmutenden Instrumental namens ‚Sayonara Senorita’, vernimmt man einen eher ungewohnten Track, der auf den Namen ‚Boss DJ’ hört: Jamaica Style durch und durch, sogar die Hammondorgel wurde nicht unterschlagen. Eine Ballade lässt sich zu guter letzt doch noch finden, ‚Drunk Again’ heißt sie und ist im Stile eines Musicals aufgebaut, natürlich mit viel Gefühl inszeniert. Nach diesen 16 Tracks (plus Bonus und Hidden Track) erinnert man sich wieder an den Chorus („you know we got a good thing going and I don’t wanna see it end!“) des Opener ‚Good Thing’ und erkennt das der Weg des Album von Anfang an vorgegeben war.

Reel Big Fish liefern mit „Cheer Up!“ eine wahnsinnig geniale Scheibe ab, denn musikalisch kann ihnen mit dieser Scheibe in ihrer Sparte so schnell keiner das Wasser reichen. Mein persönliches Highlight des Jahres, egal was da noch kommen mag.


Nils Manegold






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