Konzerte

Miller Anderson

19.Februar 2010

Einen wundervoll entspannten Rock- und Bluesabend konnten die Zuschauer am 19.Februar 2010 im Rex in Lorsch genießen. Miller Anderson, Woodstock Veteran und Gitarrist, Sänger und Songwriter so unterschiedlicher Bands wie Keef Hartley Band, Savoy Brown, Hemlock, Dog Soldier, Mountain, T.Rex oder Spencer Davis Group (um nur ein paar der wichtigeren Hausnummern zu nennen), gab sich die Ehre und lud mit seiner noch relativ jungen Band in diesen etablierten Musikclub.

Das Programm orientierte sich an der Setlist der letztjährigen Live CD (Kritik auch hier im Magazin nachzulesen). Allerdings wurden die meisten Songs in längeren, durchweg mit hoher Spielfreude und vor allem Spielwitz dargebotenen Versionen zelebriert. Dabei lag das Hauptaugenmerk bei der Songauswahl des sympathischen Schotten bei den älteren Stücken aus der mittlerweile seit 47 Jahren andauernden Karriere. So brachte er Juwelen aus der Zeit mit Keef Hartley ('Just To Cry', 'Sinnin' For You') oder von Savoy Brown ('Boogie Brothers') genauso wie einen Song seiner ersten Soloscheibe "Bright City" aus dem Jahr 1971 ('High Tide And High Water'). Trotz der langen Jams verkam die Musik dabei zu keinem Zeitpunkt zu einer reinen Selbstdarstellung oder zu jener Form unangenehmen Bluesrocks, der in den letzten 15 Jahren so oft sein hässliches Haupt gezeigt hat, wenn lediglich technisch versierte Gitarristen ohne jegliches Gefühl die Bluesskalen herauf- und herunterjagen. Ganz anders Miller Anderson. Hier hat der bekennende Langsamspieler genau den Weg gefunden, wie man jedem Ton Ausdruck verleiht. Hier wird nicht unnötig herumgegniedelt - Jeder Ton ist an seinem Platz. Und trotzdem gab es ein hohes Maß an Spontaneität. Wenn z.B. für einige Sekunden in einem Solo plötzlich das James Bond-Thema oder Griegs 'Hall Of The Mountain King' angespielt werden, wenn in der Zugabe 'Spoonful' plötzlich das Riff von 'Smoke On The Water' untergebracht wird (und sich der Drummer dabei vor Lachen fast wegwirft), wenn inmitten einer ergreifend gesungenen Version von Nina Simones 'Don't Let Me Be Misunderstood' die Akkorde und der Text von 'All Along The Watchtower' gespielt wird und die soulige Powerstimme Miller Andersons plötzlich in eine nasale Bob Dylan Parodie verfällt.

Zwischen den Songs erwies sich der Schotte als ein überaus charmanter Geschichtenerzähler, der immer wieder beteuerte, nicht gut Deutsch zu können, der dann aber mit einem wundervollen deutsch-englischen Kauderwelsch die Besucher wundersam in seinen Bann zog. Und auch die Tanzeinlagen seines ebenso liebenswerten und vollschlanken Bassisten Kris Gray zu 'Little Man Dancing' sorgten für mehr als einen Lacher (vor allem nach der drolligen Bemerkung "He's Michael Jackson's father!").

Die Besucher des ordentlich gefüllten Rex hatten einen wundervollen Abend. In dieser Form sind Musiker, die sich langsam dem Rentenalter nähern, immer noch unverzichtbar und ein Gewinn für jede Bühne! Chapeau! Am 19.März tritt Miller Anderson übrigens in der Harmonie in Bonn auf. Dieser Auftritt wird dann für den Rockpalast des WDR aufgezeichnet werden. Das sollte man sich nicht entgehen lassen!

Frank Scheuermann






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