Konzerte

Girlschool
Benedictum / V8 Wankers

30.Oktober 2008

Viele Jahre ist es her, seitdem ich die rockenden Mädels aus London zum letzten Mal auf einer Bühne bestaunen konnte. Das war in Wacken 1999 auf einer der kleineren Bühnen. Damals wurde vieles von Sound verweht und konnte darum nicht so wirklich zünden, was beim „Dirty Rock’n’Roll“ der Mädels wirklich in höchstem Maße bedauerlich war. Entsprechend groß waren die Vorfreude und die Erwartungen, die ich an diesen Abend richtete.

Pünktlich um 20 Uhr gingen aber erst einmal die V8Wankers auf die Bühne, die mit ihrer satten „Voll in die Fresse“-Einstellung viele der leider nicht in allzu großer Anzahl erschienenen Rockfans für sich begeistern konnten. Ihr Sound, der niemals vom Gaspedal geht, bot Versatzstücke aus Oi, Metal, Punk und Hardrock, aber immer auf die 12. Das ist okay, aber auf Dauer wirkte es etwas eintönig, da die Dynamik und der Abwechslungsreichtum fehlen.

Nach einer guten ¾ Stunde verließen die Wankers unter dem wohlmeinenden Applaus der etwa 150 Fans die Bühne. Da alle Bands dieses Abends das gleiche Equipement nutzten fielen erfreulicherweise die lästigen Umbaupausen weitgehend weg. So enterten die aus San Diego stammenden Power Metaller von Benedictum um Gitarrist Pete Wells (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen verstorbenen Rose Tattoo Slider!)  und ihre Frontfrau Veronica Freeman die Bühne. Die Dame ist von noch beeindruckenderer Statur als es die Promotionphotos nahegelegt haben! Eine echte Walküre! Benedictum zockten sich mit großer Spielfreude durch Songs ihrer beiden Scheiben und wurden verdient nach ebenfalls gut 45 Minuten mit heftigen Zugabeforderungen verabschiedet.

Dann war es so weit. Das Licht ging aus und Kim McAuliff (vocals, guitar), Enid Williams (vocals, bass), Denise Dufort (drums) und Jackie Chambers (lead guitar, vocals) betraten die Bühne. Was sich dann anschloss, war die geilste Rock’n’Roll Party, die ich in den letzten zehn Jahren erleben durfte. Die Mädels rockten die Bude so gewaltig, dass selbst einem abgebrühten alten Hasen wie mir die Tränen der Rührung flossen. Dabei knallten die Songs der neuen Scheibe „Legacy“ beim mittlerweile etwas zahlreicher anwesenden Publikum keinen Deut weniger rein als die Klassiker. „Spend Spend Spend“ oder das stark an Black Sabbath erinnernde „I Spy“ (das in der zweiten Studioversion durch Ronnie James Dio und Tony Iommi veredelt wurde) rockten die Bude mindestens genauso wie „Race With The Devil“, „Emergency“, „Screaming Blue Murder“ und „Take It All Away“.

Nach nur 65 Minuten war der ganze Gig zu Ende. Viel zu kurz? Nein, denn ich war ganz außer Atem! Und lieber 65 Minuten Arschtreten als drei Stunden sinnlose Frickelorgien! Spätestens heute Abend war jedem Konzertbesucher bewusst, warum Girlschool als die weiblichen Motörhead gelten:  Alles war durchweg Rock’n’Roll. Die Mädels leben ihn in allen Schattierungen und sind auf der Bühne so cool und abgezockt wie sie auch liebenswert und charmant sind. Sie leben, atmen, spielen und schwitzen ihn, den guten alten Rock’n’Roll.

Übrigens war es das dann doch noch nicht. Nach einer ¼ Stunde kamen die Mädels in die Halle zurück, trafen sich noch fast eine Stunde lang mit den Fans, schrieben mit schier endloser Geduld Autogramme und erfüllten den Fans fast jeden Wunsch im Hinblick auf Erinnerungsphotos. Und dabei vermittelten sie den Eindruck, dass es ihnen mindestens genauso viel Spaß macht wie den Fans!

Mein Fazit? Ich kann jeden nur bemitleiden, der diese gigantische Rock’n’Roll Party verpasst hat. So etwas kommt so schnell nicht wieder! Und übrigens….Jackie und Kim haben von der Bühne aus ein paar Mal nur mich angelächelt! Ehrlich! ;-) (und ich könnte schwören, alle anderen Besucher haben das auch auf sich bezogen….)

Frank Scheuermann






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